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Visual Studio Code

Eintrag zuletzt aktualisiert am: 15.04.2016

 Fachbücher zum Thema Visual Studio Code

Microsoft hat im Rahmen der Konferenz "BUILD 2015" in San Francisco eine neue Variante seiner Entwicklungsumgebung Visual Studio vorgestellt, die nicht nur auf Windows, sondern auch Mac OSX und Linux läuft. Microsoft nennt das neue, kostenfreie Werkzeug "Visual Studio Code".

Mit dem Zusatz "Code" grenzt Microsoft das Produkt von den bisherigen Visual Studio-Versionen für Windows ab. "Visual Studio Code" beschränkt sich auf die Kernthemen Editor, Debugger und Quellcodeverwaltung. Designer und über die Quellcodeverwaltung hinausgehende ALM-Werkzeuge sind nicht enthalten.

Der Editor bietet die aus Visual Studio bekannte Intellisense-Eingabeunterstützung für Bezeichner und Sprachkonstrukte. Zu den unterstützen Programmier- und Markupsprachen zählen C#, C++, CSS (inkl. Less und Sass), F#, CoffeeScript, HTML, Java, JavaScript, Lua, PHP, Perl, Objective-C, Python, Ruby, TypeScript und XML. Bei der Quellcodeverwaltung wird bisher nur Git angeboten.

Microsoft geht damit den nächsten Schritt in der neuen Cross-Plattform-Strategie für Entwickler. Im Mai 2014 hatte Microsoft erklärt, dass die Webentwicklungsplattform ASP.NET 5 [http://www.heise.de/developer/meldung/ASP-NET-5-wird-modularer-2558407.html] für Linux und MAC OSX verfügbar sein wird. Im November 2015 folgte diese Ankündigung auch für das .NET Core Framework [http://www.heise.de/developer/meldung/Microsoft-NET-wird-zur-Cross-Entwicklungsplattform-2454712.html].

Geschichte

Mai 2015: erste Ankündigung
Mai 2015 - Nov 2015: Preview-Phase (0.1 bis 0.9)
18.11.2015: Visual Studio Code Beta 1 (Version 0.10) und Visual Studio Code wird Open Source
Erscheinungstermin Version 1.0: unklar
15.04.2016: v1.0

Hintergründe

Bis auf den Namen hat Visual Studio Code wenig mit der bisherigen Entwicklungsumgebung "Visual Studio" gemein. Diese ist in C++ und C# geschrieben.

Visual Studio Code ist hingegen eine auf plattformneutralen Webtechniken basierende Anwendung: die Oberfläche ist HTML mit JavaScript, wobei die JavaScript-Abstraktion TypeScript zum Einsatz kam, ob die Entwicklung besser handhabbar zu machen. Gehostet werden HTML und JavaScript in Chromium (https://www.chromium.org/), der Open Source-Variante von Googles Webbrowser Chrome. Daher startet Visual Studio Code wie eine normale Anwendung (.exe unter Windows). Mit dem Internet Explorer Web Browser Control hätte man Gleiches auch erreichen können, aber eben nur unter Windows. Die HTML- und JavaScript-Dateien von Visual Studio Code findet man unter C:\Users\(NAME)\AppData\Local\Code\app-0.1.0.

Microsoft verwendet Chromium nicht direkt, sondern nutzt das quelloffene Electron-Framework (https://github.com/atom/electron), das aus dem Editor Atom (https://github.com/atom/atom) entstanden ist. Damit kommt auch io.js (https://iojs.org/en/index.html) zum Einsatz, eine Abspaltung von node.js. In dem Installationsverzeichnis von Visual Studio Code findet man Dateien, die "Atom" im Namen tragen. Dies bedeutet aber nicht, dass hier der Quellcode von Atom verwendet wurde, sondern einige Dateien aus dem Electron-Framework tragen diesen Namen noch, weil das Framework früher "Atom Shell" hieß.

Die Ursprünge von Visual Studio Code findet man in den Internet Explorer Developer Tools ("F12 Tools") und dem Online-Editor Monaco in Visual Studio Online (http://www.heise.de/developer/meldung/Visual-Studio-Online-Microsofts-Entwicklungsumgebung-landet-in-der-Cloud-2045403.html). Damit ist auch klar, wer die Federführung bei Visual Studio Code hatte: kein geringerer als Gang-of-Four-Mitglied Erich Gamma, der nach seiner Arbeit an Eclipse zu Microsoft wechselte und dort Monaco entwickelte.

Ein weiterer Baustein von Visual Studio Code ist der OmniSharp Language Service (http://www.omnisharp.net), der die IntelliSense-Eingabeunterstützung bereitstellt. OmniSharp wiederum verwendet die Roslyn-Compiler (http://www.heise.de/developer/meldung/Sprachcompiler-fuer-C-und-Visual-Basic-sind-jetzt-Open-Source-2162794.html) für C# und TypeScript. Visual Studio Code unterstützt IntelliSense aber noch nicht für alle Programmiersprachen (https://code.visualstudio.com/Docs/languages).

Auch wenn Visual Studio Code sehr viele Open Source-Projekte verwendet, ist der Editor selbst bisher nicht Open Source. Ebenso hat das Projekt bisher keine Erweiterungsmöglichkeiten, d.h. Nutzer können keine neuen Features oder weitere Sprachen integrieren. "An der Erweiterbarkeit arbeitet unser Entwicklungsteam in diesem Sommer", sagte Erich Gamma gestern in einem Interview (http://channel9.msdn.com/Events/Build/2015/C9-05A).

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